Der Prometheusspiegel

Wie schon erwähnt wurde diese Geschichte aufgrund etlicher beklemmender Toilettenhausbesuche während eines Camping-Urlaubs geschrieben. Und immer noch erzeugt der Gedanke, was hinter einem Spiegel sein könnte ein Unbehagen in mir. Infos siehe hier: http://user.twilightline.com/viewtopic.php?f=36&t=469

Und eine Leseprobe möchte ich  nicht vorenthalten:

“Er ging zum Zeitungsstand, nahm eine Zeitung heraus und legte sie an die Kasse. „Die und einen großen Milchkaffee.“ Schaute sich das Unfallfoto an. Fahrzeugtrümmer. Ein kleineres Bild zeigte einen liegenden Mann, um den sich Rettungskräfte kümmerten. „Ich brauch die einmal.“, sagte der Verkäufer. Hagen nickte und gab ihm die Zeitung. Es piepte. „Dreineunzig.“ Hagen suchte nach Kleingeld. „Den kenn ich.“, sagte der Verkäufer und tippte mit seinem Zeigefinger auf den auf dem Foto liegenden Mann. „Der hat hier vorher getankt und noch ne Cola gekauft.“ Der Schnauzbartträger nickte Hagen zu. „Wirklich?“ – „Und dann fährt der weiter und rast in ein Stauende.“ Er schüttelte den Kopf. Hagen hatte sein Kleingeld beisammen, legte es auf den Tresen und besah sich das Foto genauer. Das Gesicht des Mannes ist durch die Zeitung unkenntlich gemacht worden. 53 Jahre war er alt. „Aber der hat überlebt. Zumindest bis jetzt.“, sagte der Kassierer und sortierte die Münzen in seine Kasse. „Aber hier, warte mal.“ Er nahm sich die Zeitung und blätterte bis zum Bericht. Legte die Zeitung für Hagen auf den Tresen. „Aber der hier.“ Er deutete wieder mit seinem Zeigefinger auf ein Foto. „Der is´ nich´ mehr. Guck ma´.“ Hagen sah sich das Foto an. Ein gelber Kleinbus. Schätzte er. Mann konnte nicht mehr viel erkennen. „Mmh.“ Hagen nickte. Stellte sich die Arbeit der Rettungskräfte vor. War bestimmt nicht einfach. „Glaub ich gern.“, antwortete Hagen, während er noch das Bild betrachtete. „Und der war auch hier.“ Wieder nickte der Kassierer und erinnerte Hagen an Wackelhunde, die ihm gelegentlich von Hutablagen vor ihm fahrender Autofahrer zunickten. „Echt?“, Hagen blickte auf. Glaubte ihm nicht. War ihm zu viel Zufall. Der Kassierer nickte und schob, um weitere Glaubwürdigkeit bemüht, die Unterlippe vor. „Ja, `n gelben Kleinbus hatte der. Sieht man nicht mehr viel von.“ Er deutete mit dem Kopf zur Zeitung. „Hat nen Kaffee getrunken und ne Wurst gegessen und dann, batsch.“ Er klatschte beide Hände ineinander. Hagen hielt dem eindringlichen Blick des Kassierers stand und nickte. „Vor dem“, der Schnauzbart zeigte auf das gelbe Autowrack „…stand n´ LKW, dann kam er mit dem Bus und hinter ihm, der von der Titelseite. Der is´ mit seinem LKW ungebremst rein. Batsch. Der ist dann noch auf die linke Spur,.. na, so gefallen und da ist dann noch einer mit nem PKW rein. Siehste hier aber nicht mehr.“ Der Kassierer beugte sich nach vorn, stützte sich mit seinen Ellenbogen ab und betrachte das Bild. „Tja.“, sagte Hagen und zuckte mit den Schultern. „Ganz schöne Scheiße.“ Er nahm die Zeitung und ging wieder zum Bistrotisch. Wollte sich noch ein wenig entspannen, bevor es weiter ging. Und sich keinen Bären aufbinden lassen. In Ruhe trank er seinen Kaffee, lauschte der Musik und las den Unfallbericht in der Zeitung. Der Kassierer hatte mit seiner Beschreibung Recht. Von dem gelben Bus war kaum noch etwas zu erkennen. Den leeren Becher schmiss er in den Müll und ging durch die Schiebetür über der ein WC-Schild hing. Treppe runter. Roter Backstein. Das Herren-WC lag am Ende des Ganges. Die Tür stand offen und das grelle, heraus strahlende Neonlicht stritt mit dem gedämpften Licht des Treppenhauses um die Vorherrschaft. Zwei Waschbecken, ein großer Spiegel. Er sah übermüdet aus, fand er.”